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CLUBHOUSE: CHANCEN FÜR UNTERNEHMEN?

CLUBHOUSE: CHANCEN FÜR UNTERNEHMEN?

WAS IST CLUBHOUSE?

Stell dir vor du kannst bei einem Telefonat zwischen Joko Winterscheid und Elias M’Barek mithören. Und vielleicht sogar deinen Senf dazu geben, eine Frage stellen. Wenn du Glück hast. Oder du hörst bei einem Gespräch auf dem OMR-Festival zu – es gibt eine Bühne mit Top-Speakern und Q&A Sessions am Ende.

Das ist Clubhouse.

Clubhouse ist eine Social Media App bei der es um Live-Gespräche geht. Andere beschreiben es als Live-Podcasting. In beiden Fällen zeigen sich folgende Besonderheiten: es ist live, ungeschnitten, ungefiltert. Ähnlich wie bei einem Zoom-Call oder einer Teams-Konferenz treffen sich Menschen und tauschen sich aus. Nur eben ohne Video und Text. Audio only. Mit Personen aus Deinem Netzwerk und darüber hinaus.

User können sogenannte „Rooms“ zu unterschiedlichen Themen eröffnen. Diese können auf „privat“ gestellt werden. Sie können aber auch für alle offen beziehungsweise zugänglich sein. Oder nur für Nutzer, denen man folgt.

DER CLUBHOUSE-HYPE

In den letzten Tagen gab es eine regelrechte Hysterie unter den deutschen LinkedIn Usern und Creators. „Das ist DAS nächste große Ding“, „Suchtfaktor hoch 100“, etc. Es ist spannend zu beobachten, wie sich erwachsene Menschen verhalten, wenn das Angebot künstlich verknappt wird. Denn zum einen ist die App aktuell nur für iPhone Besitzer zugänglich (Firmengründer Paul Davison und Rohan Seth wollen die App demnächst auch im Google Play Store anbieten). Zum anderen können User nur mit einer Einladung beitreten. Dabei verwendet die App genauso wie in den Anfängen von WhatsApp eine umstrittene Methode, um schnell wachsen zu können: den Zugriff auf sämtliche Einträge aus dem Kontakt-Adressbuch. Dem muss der User aber erst zustimmen.
Jeder, der sich darüber ärgert, bei Instagram und Co. zu spät dran gewesen zu sein, versucht auf Clubhouse sein Glück. Plötzlich besteht der LinkedIn Feed nur noch aus Screenshots des eigenen Accounts auf Clubhouse und den Kommentaren darüber, wie großartig die App doch sei – bitte folgen, ich verlose drei Einladungen!

Meiner Meinung nach sind es vor allem folgende Gründe, die zum aktuellen Hype führen:

  • Corona: Menschen haben mehr Zeit und weniger Möglichkeiten sich zu beschäftigen. Auch sich sinnvoll auszutauschen, zu netzwerken.
  • Audio: Voice und Audio-Inhalte liegen bereits seit einiger Zeit im Trend
  • FOMO (Fear Of Missing Out): Durch den „Invites only”-Ansatz hat man das Bedürfnis dazu gehören zu wollen.
  • Einfachheit: Die App ist clean und einfach zu bedienen, Funktionen gibt es (noch) nicht viele.
  • Influencers: Gerade Content Creators wittern hier für sich die Chance auf der aktuellen Welle mitzuschwimmen und die Gunst der Stunde zu nutzen.

DER ERSTE EINDRUCK

Direkt nach dem Registrieren werden einem mehrere Rooms vorgeschlagen. Was mir auffällt: Die meisten drehen sich um Themen wie „Marketing“, „Unternehmertum“, „LinkedIn“. Vielleicht liegt das auch an meinem Netzwerk und meinen Interessen, aber die Themen scheinen doch sehr einfältig zu sein. Ich höre trotzdem in ein paar Rooms rein. Die Gespräche sind teilweise interessant. Der unkomplizierte Austausch ist erfrischend. Auch die Möglichkeit, einen oder mehrere User aus der Audience auf die „Bühne“ einzuladen, um mitzureden, macht Sinn. Weltbewegend erscheint es mir allerdings nicht.

DER ERSTE ROOM

Nach kurzem Überlegen setze ich mit einigen Bekannten einen Room auf. Wir unterhalten uns über … naja, Clubhouse. Unsere Erfahrungen bis dahin. Neue User kommen hinzu, hören kurz rein, gehen wieder. (User aus dem eigenen Netzwerk erhalten Benachrichtigungen, wenn du einem Raum beitrittst. Du kannst sie auch einladen.) Andere bleiben. Wir laden sie ein, mitzureden. Manche nehmen das Angebot an und machen mit. Wir haben kein Konzept, keine Agenda, aber es macht Spaß. Wir lernen neue Leute kennen, vernetzen uns.

Clubhouse 18. Jhd Diskussion, Treffen, ALL:AIRT, Diskurs

Für mich ist genau das, was die App spannend macht. Es ist sehr einfach, neue Menschen kennen zu lernen. Der Umgang ist respektvoll, denn die meisten sind mit ihren richtigen Namen registriert und wollen sich einfach austauschen, etwas lernen oder nebenbei zuhören.

Es fühlt sich ein wenig so an, wie in einer Bar oder einem Café – ähnlich zum Café Procope, einem Kaffeehaus in Paris, welches als Treffpunkt von Schriftstellern und Künstlern der Aufklärung galt – zu sitzen. Erst diskutiert man mit seinen Freunden, dann überhört ein Fremder vom Nebentisch das Gespräch und schaltet sich ein. Eine Diskussion entsteht, die alle bereichern kann. Clubhouse könnte so ein Kaffeehaus in digitaler Form sein und eine gesunde Diskussionskultur wieder anregen. Doch einige bemängeln, dass die App genau das nicht täte. Wie sich das entwickelt, werden wir noch sehen. Eine viel wichtigere Frage: Welche Chancen bieten sich hier für Unternehmen?

CHANCEN FÜR UNTERNEHMEN

Ich denke direkt darüber nach, wie man die App auch für Unternehmenskommunikation nutzen kann. Aktuell funktioniert es insbesondere über Personal Brands: Habe ich Follower (auf anderen Plattformen), dann habe ich auch Zuhörer auf Clubhouse. Dies lässt sich auf alle erdenklichen Bereiche anwenden. Ein paar, die mir direkt einfallen:

  • Employer Branding und Recruiting: Q&A’s und Panels zu Themen, die jeden Bewerber interessieren (Bewerbungsprozess, On-Boarding, Karrieremöglichkeiten, etc.)
  • Begleitung von Live-Events: User können eine Podiumsdiskussion oder Live-Webinar mitverfolgen und sogar mitmachen
  • Live-Interaktionen: Unternehmen können mithilfe von Clubhouse interessante Formate, die man sonst von Live-Streaming kennt, auch auf Clubhouse umsetzen. Zum Beispiel Echtzeit-Verlosungen. Oder Echtzeit-Bewerbungen.
  • Corporate Influencer: Wie schon erwähnt, funktioniert Clubhouse extrem gut als zusätzlicher Kanal für Personen, die auf anderen Plattformen bereits als „Influencer“ gelten. Corporate Influencer können ihre Inhalte auch auf Clubhouse teilen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Live Q&A mit einem Key Opinion Leader?

AUSBLICK UND IDEEN FÜR DIE UMSETZUNG

Meine persönliche Meinung: Der Hype wird sich legen. Auch wenn unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten denkbar sind, so gibt es sehr viele Überschneidungen mit anderen – bereits bestehenden – Formaten und Plattformen (Podcast, Live-Streaming, Konferenz-Calls, etc.). Möglich, dass sich die App für Nischenthemen, sowie Personal Brands und Influencer langfristig durchsetzt. Denn das Format bietet eine unkomplizierte Art der Kommunikation, die in dieser Form aktuell auf keiner größeren Plattform existiert. Interessant wird auch, zu sehen, wie andere Plattformen (LinkedIn, Instagram & Co.) reagieren werden. Twitter hat erst vor Kurzem die App Breaker aufgekauft und testet Audio Spaces.

Was ist Deine Meinung zu Clubhouse? Glaubst die App wird langfristig relevant bleiben oder das gleiche Schicksal erleben wie einst Vero?

Kommentare

  1. Post comment

    Gute Ideen für Unternehmen! Finde, dass so etwas vor allem Unternehmen etwas angeht, weil ich mir sicher bin, dass Audio Only DIE Zukunft ist! Siehe Alexa, Siri, Google Home, Sprachsteuerung im Auto etc. Und laut Horizont geht schon jetzt fast jeder zweite Deutsche mit Alexa ins Bett.. Man merkt einfach, dass sich unsere Gesellschaft verändert. Konsumenten ist wichtig, einen Austausch auf Augenhöhe zu haben, Feedback geben zu können und direkt mit im Geschehen zu sein. Einen Teil beizutragen und selbst Einfluss zu nehmen. Deshalb ist es gerade für Unternehmen verdammt wichtig, sich auf dem Laufenden zu halten.
    Clubhouse wird denke ich aber von einem der größeren Fische(Instagram, Twitter und Co.) gefressen werden – wenn die App sich nicht schnell weiterentwickelt und ein Alleinstellungsmerkmal für sich beansprucht. Finde auch die fraglich, wie mit den Daten umgegangen wird..

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    1. Post comment

      Hey Josefine,
      danke für dein Feedback! Der Artikel von Horizont ist ja super interessant! Wir sehen das ähnlich, sind sogar der Meinung, dass der Hype schnell wieder abebbt. Und das mit den Daten … Bei den Anfängen von WhatsApp war das leider auch nicht anders.

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